: Arbeitsweise Kartoffeldämpfer

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Kartoffeln dämpfen

Die ersten Dämpfmaschinen gab es in der Niedergrafschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Das Kartoffeln dämpfen war im Herbst auf jeden Hof ein Ereignis. Man musste sich lange vorher bei der Maschinengemeinschaft oder Lohnunternehmen anmelden und warten, bis man an der Reihe war. Vom vorigen Hof wurde der Dämpfer gebracht oder man musste ihn abholen. Einige Bauern hatten einen Traktor, der zog dann die schwere Anlage oder es mussten bis zu drei Pferde vorgespannt werden, um durch die im Herbst aufgeweichten Sandwege zu gelangen. Der Dämpfer wurde meist in der Nähe des Kartoffelhaufens, der Erpelrippe aufgebaut. Die jeweiligen Bauern mussten für einen Wasservorrat, meist ein Jauchefass voll, und für trockenes Brennmaterial sorgen. Jeweils ein Arbeiter kam mit dem Dämpfer und arbeitete 12 Stunden, dann kam ein anderer, so dass die Dämpfanlage rund um die Uhr im Einsatz war. Der Arbeiter pumpte mit der Hand Wasser in den Dampfkessel und heizte diesen mit Holz oder Torf an, später gab es auch Ölbrenner. Wenn genügend Dampfdruck erreicht war, konnte mit dem Befüllen der drei oder vier separaten Kochkessel begonnen werden.

Neben dem Kartoffelhaufen war die sogenannte Wäsche aufgebaut worden. Vorne war ein Siebkorb,  in den die Kartoffeln mit der Kartoffelgreepe eingefüllt wurden und in dem schon der erste Sand abfiel. Dann gelangten die Kartoffeln  in die Waschwanne, wo die Kartoffeln durchrührt  und von dem restlichen Sand befreit wurde. In der Wäsche setzte sich mit der Zeit viel Sand ab, so dass zwischendurch das Wasser abgelassen und die Waschwanne vom Sand befreit werden musste. Daher gab es an dieser Stelle meist viel Dreck auf dem Hof.

Von der Wäsche, gelangten die Kartoffeln mit einem Förderband mit Bechern nach oben in den Kochkessel, der mit ca. 11 Zentner (550kg) Kartoffeln befüllt wurde. Dann wurde der Kartoffelkochkessel  mit einem Deckel fest verschlossen und heißer Wasserdampf  aus dem Dampfkessel über einem Rohrsystem zugeführt.  Nun garten die Kartoffeln ähnlich wie in einem modernen Dampfdrucktopf. Der Druck ließ langsam nach, bis die Kartoffeln nach ca. 20 Minuten fertig waren. Der fertige Kochkessel wurde zur Seite gedreht und konnte  entleert werden. Ein Schieber wurde aufgemacht und die heißen Kartoffeln mit einer Kippkarre in die dafür bestimmte Mulde gekippt. Einige hatten ihr so genanntes Silogatt auch auf gemauert, meist war es nur ein länglicher ausgehobener einen Meter tiefer und breiter Graben unterschiedlicher Länge, in den unten Strohhäcksel kam. Später gab es für den Transport der Kartoffeln ein Förderband mit einer Quetsche davor. Sonst mussten die heißen Kartoffeln von Hand mit einem Misthaken  zerstampft werden. Die Kartoffeln wurden auch noch festgetreten und dann mit Papiertüten oder mit Kaff (Spreu) bedeckt und mit Sand luftdicht verschlossen. So konnten die Dämpfkartoffeln silieren und wurden haltbar bis ins nächste Jahr. Zunächst wurden aber im Herbst Kartoffeln noch in einem so genannten Veepott  täglich für die Schweine gekocht. Wenn die frischen Kartoffeln alle waren, wurden die Silokartoffeln verfüttert. Dazu wurden diese wie Torf in Blöcke geschnitten und in die Futterküche gebracht. Dort wurden sie durch eine Kartoffelquetsche gedrückt oder von Hand zerkleinert und an die Schweine verfüttert. Ein typischer Kleinbauer hatte 4 bis 5 Muttertiere mit Nachzucht und dämpfte dafür 15 Kessel voll (ca. 8.000 kg) Kartoffeln. Zusätzlich wurde Roggenmehl und Magermilch gefüttert und die Schweine hatten Weidegang. Im Sommer wurde das lange Unkraut (Melde) aus den Rüben und Kartoffelfelder gezogen und zerschnitten in einem sogenannten Schniesump und an die Schweine verfüttert, Mastschweine bekamen auch noch süße Milch (Vollmilch). Die Bauern hatten damals also viel Arbeit, um ihre Schweine zu ernähren. Automatische Fütterungsanlagen, die heutzutage computergesteuert tausende Schweine versorgen ohne dass ein Mensch eine Hand rühren muss, konnte man sich damals wirklich noch nicht vorstellen.

 

 

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